Multisensorisches Lernen – Kreatives Schreiben kann alle Sinne stimulieren

Die Tradition der Hirnforschung reicht weit zurück. Bereits im 18. Jahrhundert versuchte Franz Josef Gall (1758 – 1828), ein Verfechter der Lokalisationstheorie (demnach sind seelische und geistige Empfindungen und Fähigkeiten an bestimmte Hirnregionen verbunden ) seine Ergebnisse auf die Pädagogik anzuwenden. Nach Preiß (1992) befasst sich seit Anfang der 90er Jahre die Neurodidaktik u. a. mit der Beteiligung und Aktivierung möglichst vieler Hirnregionen beim Lernen.

Die Neurodidaktik und Lernen mit allen Sinnen

„Der besondere Schwerpunkt der Neurodidaktik liegt dabei, in der Kasuistik, der Orientierung an Einzelfällen, die als „Schlüsselfälle zu verstehen sind und zu allgemeinen Einsichten führen“ (Friedrich, 1996, S. 14). Das Anliegen der Neurodidaktik besteht unter anderem darin, den Lernstoff über möglichst viele und unterschiedliche Wahrnehmungskanäle anzubieten. Diese sind:

a) Visuell (Sehsinn),

b) Auditiv (Hörsinn),

c) Kinesthetisch (Bewegungssinn),

d) Olfaktorisch (Geruchssinn),

e) Gustatorisch (Geschmackssinn).

Bei Lernangeboten sind nach den neuesten Er­kenntnissen der Neurodidaktik zwei Dinge wichtig. Zum einen sollten Lernangebote mehrere Sinne ansprechen. Zum anderen müssen sich diese oft wiederholen, damit sie sich dem Lernenden einprägen können, um leicht abgerufen werden zu können.

„Nach neueren Befunden scheint Lernen auf einfachen zellinhärenten Mechanismen zu beruhen, die die Stärke von Nervenverbindungen verändern. Solche Vorgänge haben wesentlichen Anteil an der Ausprägung von Individualität“ (Kandel & Hawkins, 1994, S. 114).

Kreatives Schreiben kann die Sinne stimulieren

Die Methoden des kreativen Schreibens bieten eine Möglichkeit, gleichzeitig mehrere Hirnfunktionen zu aktivieren. Schreibübungen, wie das Anfertigen von Assoziogrammen oder schriftliches Brainstorming sowie das Clustern erfüllen die Anforderung nach Assoziationsbildung, das heißt dass zuvor noch nicht verbundene Konstellationen im Rahmen des verhaltenssteuernden Systems verknüpft werden (vgl. Merz-Grötsch, 2000, S. 167). „Multisensorisches Lernen“, nennt es Zitzlsperger (1995, S. 15) in ihrem Buch,  „Ganzheitliches Lernen – Welterschließung über alle Sinne“.

Beim Schreiben an ungewöhnlichen Orten wie beispielsweise in einem Café, können praktisch alle Sinne einbezogen und stimuliert und so in den Prozess der Schreibens und Lernens integriert werden.

Serpil Maglicoglu

Literaturangaben

Friedrich, G. (1996). Die Praktikabilität der Neurodidaktik. Ein Analyse- und Bewertungsinstrument für die Fachdidaktik. Europäische Hochschulschriften. Reihe 11. (Pädagogik Band. 642): Frankfurt am Main.

Merz-Grötsch J. (2000). Schreibforschung und Schreibdidaktik. Ein Überblick. (Band I) Freiburg im Breisgau: Ingelore Oomen-Welke Fillibach Verlag.

Kandel / Hawkins (1990). Das Gehirn, sein Alphabet und andere Geschichten. (Hrsg.).  Konstanz: Brügelmann, H.  Faude Verlag.

Preiß, G. (1996) (Hrsg.). Neurodidaktik: theoretische und praktische Beiträge. (Schriftenreihe der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Bd. 10).  Pfaffenweiler: Centaurus Verl.-Ges.

Zitzlsperger, H. (1995). Ganzheitliches Lernen. Welterschließung über alle Sinne. Weinheim. Basel: Beltz Verlag.

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