Was heißt Kreativität und was kreatives Schreiben?

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Fotoquelle: pixabay. Kreativität. https://www.schreibhaus.wordpress.com

Kreativität

„Kreativ ist derjenige, dem Ungewohntes einfällt und der Überraschendes zuwege bringt. Die methodische Konsequenz, die für das kreative Schreiben zu ziehen ist, besteht darin, dass man Möglichkeiten finden  muss, mit denen man die Schreibenden aus ihren gewohnten Denk- und Vorstellungsbahnen herauslocken kann“ (Spinner, 1998, S. 1).

Neurowissenschaftliche Studien zum Thema Kreativität geben an, dass sich Kreativität dadurch auszeichnet, dass bei Assoziationen weit voneinander entfernt liegende Wissensbestände miteinander verknüpft, das heißt assoziiert  werden können. Diese Fähigkeit kann zu divergentem Denken führen, das heißt vor allem ungewöhnliche Lösungen für eine Problemstellung finden zu können (vgl. Willfort, 2007, S. 31 und 39). „Divergentes Denken steht dabei im Gegensatz zum konvergenten Denken, wo man auf der Suche nach einer einzigen richtigen oder besten Lösung ist“ (ebd., S. 31).

„Divergentes Denken dagegen zeichnet sich durch unkonventionelle kognitive Strategien aus und befördert durch Ideenflüssigkeit, Flexibilität und Originalität  auch die kreativen Prozesse des Textproduzierens. Voraussetzung für diesen Wirkungsmechanismus ist allerdings eine Atmosphäre, in der das Äußern ungewöhnlicher Gedanken nicht auf Abwehr oder Spott trifft und Tätigkeiten wie das kreative Schreiben als Herausforderung und Chance zur Selbstverwirklichung Anerkennung finden“ (Frentz et al., 2005, S. 3).

Nach dem DUDEN (2000, S. 764) wird Kreativität als a) das Schöpferische, Schöpferkraft und b) Teil der Kompetenz eines Sprachteilhabers, neue, nie zuvor gehörte Sätze zu bilden und zu verstehen, definiert. Das Lexikon der Soziologie definiert Kreativität wie folgt:

„Bezeichnet das Vermögen von Menschen, über alltägliche und übliche Gedanken und Perspektiven  hinaus Problemlösungen zu entwickeln und Ideen zu produzieren, die als neu, originell und einmalig angesehen werden. Kreativität ist unabhängig von Intelligenz zu sehen und sehr stark individuell geprägt“ (Hilber, Lexikon der Soziologie, 1997, S. 365).

 In der Studie von Michaly Csikszentmihalyi  (2007) über Kreativität, denken kreative Menschen, dass sie vorrangig Glück gehabt haben oder auch zur richtigen Zeit am rechten Ort gewesen seien.

„Mitunter kommt es vor, daß man ohne jede Vorbereitung auf eine kreative Entdeckung stößt. Der glückliche Finder stolpert einfach in eine völlig unvorhergesehene Situation, wie zum Beispiel Röntgen, der eigentlich nur feststellen wollte, warum seine photographischen Platten ruiniert waren, und dabei die Strahlung entdeckte“ (Csikszentmihalyi, 2007, S. 125).

Merkmale des Kreativen Schreibens

Der Begriff der Kreativität wird inzwischen inflationär für alles und jedes eingesetzt, so dass es schwierig ist, diesen Begriff eindeutig und klar fest zu legen und damit auch den Begriff des kreativen Schreibens. Es gibt bis heute keine einheitliche Definition für das kreative Schreiben. Doch nach Spinner (1998) gibt es Merkmale des kreativen Schreibens:

  • die assoziativen Brücken (aus altem wird neues geschaffen)
  • die Irritation ( Routinen, Normen und Gewohnheiten werden durchbrochen)
  • die Expression (Schreibend wird nach Authentizität gesucht, Entfaltung der inneren Kräfte angestrebt)
  • die Imagination (Verbindung von Irritation und Expression, z. B. durch das Schreiben zu Bildern und Fantasiereisen)
  • die sozialen Dimensionen ( das gemeinsame Schreiben an Texten, z. B. in der Klasse, Schreibwerkstatt

Das bedeutet, Kreativität entsteht, wenn gewohnte Denkmuster aufgebrochen und gewohnte Denkroutinen durch einen kreativen Prozess überwunden werden können. Dieses Ausbrechen aus bekannten Mustern und sprachlichen Normen wird durch einen spielerischen Umgang mit Sprache erleichtert. Verfolgt man die Menschheitsgeschichte, so erscheint der Weg des Menschen als ein Versuch, sich durch die ihm inne wohnenden Kräfte von seinen Fesseln, wie schon von Platon beschrieben, befreien zu wollen. Nach Platon ist es die Bildung, die den Menschen von seinen Fesseln löst.  Kreativität fungiert hier als eine Art „Sprungbrett“, weil kreative Ideen und Problemlösungen im Individuum plötzlich auftauchen. Diese Fähigkeit des Men­schen, etwas noch nie da Gewesenes aus sich heraus hervorzubringen. Das wird oft als das schöpferische Element bezeichnet und kann auch in der Sprache und im Schreiben fortgeführt werden.

„Als eine Tätigkeit, die „Kreationen“ hervorbringt, gehört Kreativität zur „Kreatur“ Mensch als etwas Wesentliches, dass Entwicklung garantiert und zulässt. Mithilfe des schöpferischen Tuns vermag sich der Mensch seiner Fesseln zu entledigen. Insofern ist Kreativität immer schon eine auf Befreiung gerichtete Tätigkeit gewesen. Kreatives Schreiben wäre demnach ein auf Befreiung gerichtetes Handeln“ (Rau, 1988, S. 37).

Kreatives Schreiben zeichnet sich dadurch aus, dass die zur Durchführung genutzten Techniken und Methoden divergentes und unkonventionelles Denken zulassen und bisher verinnerlichtes Wissen über Textnormen oftmals  aufgehoben werden. Das bedeutet  ein spielerischer und unbeschwerter Umgang mit Sprache und Schrift, wobei zur Förderung der Kreativität (zur Produktion von neuen Ideen)  assoziative (Schreib)methoden genutzt werden.

Serpil Maglicoglu

Literaturangaben

Csikszentmihalyi, M. (2007). Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und ihre Grenzen überwinden. Stuttagart: Klett-Cotta Verlag.

DUDEN. (2000). Das große Fremdwörterbuch. Mannheim. Leipzig: Dudenverlag.

Frentz, H. /  Frey U. / Sonntag E. (2005). Schreiben und Schreibentwicklung. Konzepte und Methoden. (Band 21). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.

Hilber, W. (2006) (Hrsg.). Lexikon der Philosophie. Düsseldorf: Area Verlag.

Rau, H. A.  (1988): (Hrsg.). Kreatives Schreiben an Hochschulen. Berichte, Funktionen, Perspektiven. Tübingen: Niemeyer Verlag.

Spinner, K. : Kreatives Schreiben – Perspektiven für Forschung und Praxis. Vortrag gehalten am 1. Mai 1998 in Aachen. S. 1. In: Becker-Mrotzek & Böttcher, M. Texte bearbeiten – bewerten und benoten. Berlin: Cornelsen Verlag.

Willford, R. /  Tochtermann, Kl.  / Neubauer, A. (2007) (Hrsg.). creativity@work für Wissensarbeit. Kreative Höchstleistungen am Wissensarbeitsplatz auf Basis neuester Erkenntnisse der Gehirnforschung. Aachen: Shaker Verlag.

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