Schreibstrategien entwickeln sich unbewusst

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Unbewusste Schreibstrategien

Jeder Schreiber nutzt eine Schreibstrategie auch wenn ihm diese oft nicht bewusst ist. Diese Schreibstrategie entwickelt sich im Laufe der Zeit. Das Wissen um die eigene Vorgehensweise beim Schreiben kann helfen, den eigenen Schreibprozess zu verfeinern.

„Ich begreife eine Strategie als ein Verfahren, das Feld der Aufmerksamkeit zu erweitern, d.h. mehr als nur einen oder höchstens zwei Reize im Geist zu behalten: als ein Verfahren, mehrere Faktoren, die für die gerade anstehende Arbeit relevant sind, in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken und dort zu halten […]“  (Ortner, 2000, S. 352).

In der Schreibforschung bieten unterschiedliche Autoren und Autorinnen auch unterschiedliche Definitionen und Begriffe für Schreibstrategien an. Allgemein können Schreibstrategien als Pläne für das Vorgehen beim Schreiben betrachtet werden. Schreiben ist ein komplexes Handlungs­system, das planvolles Handeln insbesondere bei anspruchsvolleren Texten erfordert.  Bei weniger geübten Schreibern kann der Mangel an Strategien zu Problemen führen.

Schreibstrategiemodell von Ortner (2000)

Einen breiten Überblick über Schreibstrategien bietet das im Folgenden vorgestellte Schreibstrategiemodell von Ortner (2000). Es wurde aufgrund einer umfangreichen Auswertung von schriftlichen und mündlichen Aussagen professioneller Schreiber und Schreiberinnen zusammengestellt.

Für eine bessere Übersichtlichkeit wurden die Ergebnisse in einer Tabelle angeordnet. Die in der nachfolgenden Tabelle genannten Strategien können von einem Schreiber rein oder in verschiedenen Kombinationen genutzt werden. Ein professioneller Schreiber kann je nach Situation, Anforderung oder Produkt unterschiedliche Strategien simultan anwenden. Ortner (2000) lässt offen, welche dieser Strategien am meisten erfolgs­versprechend sind.

Die zehn Schreibstrategien nach Ortner ( 2002).  (www.schreibhaus.wordpress.com)

1. Schreibstrategie Nicht-zerlegendes Schreiben Der Text wird ohne zu zögern niedergeschrieben ohne Rück­sicht auf Korrektheit des Inhalts oder der Form.

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2. Schreibstrategie Einen Text zu einer Idee schreiben Zu einem Thema, einer Idee wird alles an Wissen aufgeschrieben, was der Schreiber weiß. Diese Form des Schreibens wird in der Schule bis in die achte Klasse mehrheitlich gelehrt.

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3. Schreibstrategie Schreiben von Textversio­nen zu einer Idee Diese Strategie ist gleich der vorangegangenen bis auf den Punkt, dass hier mehrere Versionen zu einer Idee geschrieben werden.

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4. Schreibstrategie Herstellen von Texten über die redaktionelle Arbeit an  Vorfassungen Der Schreiber verbessert nur das an seinem Text beim erneuten Abschreiben des Textes, was ihn zuvor gestört hat. Es wird hier rekursiv gearbeitet und aus einer Altversion eine Neuversion geschrieben, ohne dass gleich eine ganz neue Version geschrieben wird.

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5. Schreibstrategie Planendes Schreiben Der Fokus des Schreibers liegt hier auf der gesamten Struktur, die einzelnen Schritte werden geplant. Ein Konzept wird erstellt, dass ein Gerüst für den zu schreibenden Text darstellt, dies kann eine Stichwortliste, eine Gliederung oder auch ein ausgearbeitetes Konzept sein. Die einzelnen Schritte können aufeinander bezogen werden.

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6. Schreibstrategie Einfälle außerhalb eines Textes weiterentwickeln Der Schreiber entwickelt den Text schon im Kopf, und schreibt dann den bereits im Kopf vor formulierten Text nieder. Die Textproduktion findet in zwei unterschiedlichen Prozessen statt. Zunächst wird der Text im Kopf entwickelt und for­muliert, dabei braucht der Schreiber kein Papier keinerlei Notizen. Im Anschluss wird der im Kopf bereits erarbeitete Text  niedergeschrieben.

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7. Schreibstrategie Schrittweises Vorgehen – der Produktionslogik fol­gend Folgende Schritte werden hier nacheinander abge­ar­beitet: Sam­meln von Material, Disponieren, Konzipieren, Gliedern, Formulieren, Kor­rigieren. Eine klare gerade Vor­gehensweise, die als ideal an­ge­­sehen werden kann bei de Text­pro­duktion vor allem bei wissenschaft­lichen Arbeiten.

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8. Schreibstrategie Synkretistisch-schrittweises Schreiben Schriftsteller, die ständig die Na­men ihrer Protagonisten ändern, viele Textstellen halb stehen lassen um wo anders weiter zu machen, eine sehr ungeplante Arbeitsweise haben  nutzen diese Schreibweise. Dieses Verfahren wird von Ortner als „Working by Chaos“ charak­terisiert.

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9. Schreibstrategie Textteilschreiber Es werden einzelne Textpassagen geschrieben, die Reihenfolge spielt keine Rolle. Es wird nicht linear geschrieben. Dabei hat der Schreiber das ganze nicht im Kopf und nicht im Blick erhofft sich aber durch diese Arbeitsweise des zerlegenden Schreibprozesses zu einer Gesamtlösung zu finden.

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10. Schreibstrategie Puzzle-Prinzip – Extrem produkt­zerlegende Schreib­weise Es wird extrem produktzerlegend geschrieben. Viele kleine Texte ent­stehen nebeneinander. Der Über­­blick fehlt dem Schreiber. Texte sollen wie ein Puzzle zu einem ganzen Bild gefügt werden, doch der Schreiber schreibt immer weiter, findet oft auch kein Ende, weil ihm der Überblick fehlt.

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Serpil Maglicoglu

Literaturangaben

Ortner, H. (2000). Schreiben und Denken. Reihe Germanistische Linguistik. Niemeyer:

Max Niemeyer Verlag GmbH.

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