Die Bewältigung von einfachen und komplexen Schreibaufgaben

Kompetenzmodelle wie von Bereiter gehen davon aus, dass Schreibkompetenzen unterschiedlich ausgeprägt sind. Demzufolge gibt es verschiedene Kompetenzstufen. Bestimmte Schreibaufgaben können in der Konsequenz auch nur von denjenigen bewältigt werden, welche die entsprechende Kompetenz als Voraussetzung mitbringen. Das Anforderungsniveau korreliert mit dem Wissen, das im Schreibprozess bearbeitet werden soll. Nach Becker-Mrotzek & Böttcher (2006) können Schreibaufgaben wie folgt unterteilt werden:

Einfache Schreibaufgaben

Unter einfachen Schreibaufgaben werden jene verstanden, bei welchen der Schreiber mit Hilfe seines bereits erworbenen Wissens  einen Text produziert. Das Wissen des Menschen ist nach bestimmten Prinzipien strukturiert. Das Wissen des Schreibers über Schemata (für Sachverhalte) und Scripte (für Handlungen) nach Begriffen der kognitiven Psychologie, führen zu einer Strukturierung des Textes.  Einfache Schreib­aufgaben könnten folglich dargestellt werden, als die Wiedergabe des bereits Ge­wuß­ten. Beispiele: selbsterlebte Geschichten oder Beschreibung von Gegen­ständen

Schwierige Schreibaufgaben 

Unter schwierigen Schreibaufgaben werden jene verstanden, in deren Verlauf der Schrei­ber sein Wissen verändert, um z.B. eine kommunikative Funktion des Textes zu gewährleisten. Beispiele hierfür sind Instruktionen: Anleitungen (Bedienungsanleitung für eine Maschine), Berichte und Protokolle.

Instruktionen können nur geschrieben werden, wenn der Schreiber die Fähigkeit besitzt, sein Wissen zu transformieren; denn die Darstellung muss sich nicht an der Gerätelogik sondern an der Bedienerlogik orientieren.

Berichte dienen oft einem Gremium als Grundlage für ihre Entscheidungen. Sie müssen daher eine Abfolge der Ereignisse darstellen. Dabei wird  allerdings eine Neubewertung und Umstrukturierung  vergangener Ereignisse vollzogen.

Zusammenfassen und Reproduzieren von Texten ist eine schwierige Schreibaufgabe, weil es  hier darum geht, einen Sachverhalt auf seinen Kern, das heißt auf die wichtigsten Aussagen reduziert schreibend wiederzugeben.

Protokolle gelten ebenfalls als schwierige Aufgaben. Relevante Ereignisse einer realen Ereignis­folge werden ausgewählt und erfasst.

Komplexe Schreibaufgaben

Komplexe Schreibaufgaben zeichnen sich dadurch aus, dass aus vorhandenem und fremdem Wissen, neues Wissen entsteht. Das erarbeitete Wissen wird mit einem be­stimmten Ziel, unter Einhaltung von Textkonventionen und mit Blick auf den Leser und die Leserin darge­stellt.

Diese Form des Schreibens stellt besondere kognitive Anforderungen an die Schreiber. Voraussetzung ist, dass die Schreiber sich in ganz neue und ihnen fremde Themen­bereiche einlesen, sich neues Wissen aneignen und in der Lage sind, dieses zu unter­schied­lichen Zwecken zu transformieren.

Textsortenwissen, Analysefähigkeiten, ein hohes Maß an Selbstorganisation, die Fähigkeit sich in schwierigen Schreibprozessen selbst zu moti­vie­ren, Schreibbewusstsein und vieles mehr. Beispiele für komplexe Schreibaufgaben sind:  Textanalysen, Rezensionen, Referate, wissenschaftliche Hausarbeiten.

Serpil Maglicoglu

Literaturangabe

Becker-Mrotzek, M. & Böttcher, I. (2006). Schreibkompetenz entwickeln und arbeiten. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen Verlag.

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